Bank Gutmann wiederholt Bekanntes

Gutmann Investment Mail – März 2014

Europäische Banken: Stagnation oder Erholung?

Mehr als fünf Jahre sind seit der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und dem Platzen der Immobilienblase in Europa und den USA vergangen. Die darauffolgenden Verwerfungen im globalen Finanzsystem waren enorm und wurden durch die Krise in der Eurozone nochmal verschärft. Wie weit ist die Gesundschrumpfung des europäischen Bankensektors fortgeschritten und unter welchen Voraussetzungen werden Banken wieder attraktiv für Aktieninvestoren?

Zeit für einen Statusbericht.

Europäische Bankaktien partizipierten bisher nur begrenzt an der Erholung der Aktienmärkte. Die Reparatur der Bilanzen, Abschreibungen, Kapitalerhöhungen und mageres Wirtschafts- und Kreditwachstum in Europa haben – aus Sicht der Aktionäre – bisher zu keiner Erholung der Erträge geführt. Immerhin ist die Restrukturierung des europäischen Bankensektors mittlerweile erkennbar fortgeschritten. Die für Anfang des 4. Quartals 2014 anstehenden Ergebnisse des Durchleuchtens der Bankbilanzen („Comprehensive Assessment“) durch die Europäische Zentralbank (EZB), sowie Fortschritte bei der Findung eines europaweit einheitlichen Abwicklungsmodus insolventer Banken („Single Resolution Mechanism“) sollten das Vertrauen in den Bankensektor wieder stärken.

Das Platzen der Immobilienblase – insbesondere in Spanien und Irland sowie die schwere Rezession in den Peripheriestaaten der Eurozone (infolge der Schuldenkrise), haben die Kreditbücher der Banken unter Druck gebracht.

Der Abbau der Problemkredite ist nach wie vor im Gang und ein Ende bisher nicht absehbar. In Italien und Spanien erhöht sich der Anteil der Problemkredite in Relation zum gesamten ausstehenden Kreditvolumen an Unternehmen und Haushalte weiter. Wann der Gipfel dieser Entwicklung erreicht sein sollte ist nur schwer abzuschätzen.

Ob die Stagnation beim Kreditwachstum in der Eurozone aufgrund fehlender Nachfrage, oder vielmehr durch eine zu restriktive Kreditvergabe der Banken ausgelöst wird, ist derzeit häufig Gegenstand hitziger Debatten.

Gleichbleibendes oder im Fall von Unternehmenskrediten sogar negatives Kreditwachstum in der Eurozone ist in jedem Fall eine Folge des laufenden Entschuldungsprozesses. Auf Seiten der Kreditnachfrage bauen Haushalte Schulden eher ab und verspüren aufgrund der Erfahrungen vergangener Jahre und der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen wenig Appetit kreditfinanzierte Investitionen zu tätigen. Unternehmen verfügen zum großen Teil über sehr gesunde Bilanzen und hohe Bestände an liquiden Mitteln. Diese reichen aus, um kleinere Investitionen zu tätigen. Aufgrund der schleppenden Konjunkturerholung investieren Unternehmen derzeit nicht in größerem Ausmaß in Kapazitätserweiterungen.

Umgekehrt sind Banken weiterhin in erster Linie damit beschäftigt ihre Bilanzen zu reparieren und strengere regulatorische Vorschriften zu erfüllen. Kapital zur Hinterlegung potentiell riskanter, neuer Kredite ist damit Mangelware.

Die Reparatur der Bankbilanzen ist bereits relativ weit fortgeschritten. Bei der Hälfte der europäischen Großbanken liegt die Kernkapitalquote mittlerweile bei über 13%, während diese im Jahr 2007 bei der Hälfte der Banken unter sechs Prozent lag. Finanziert wurde dies unter anderem sowohl über Kapitalerhöhungen, als auch über ein Schrumpfen der Bilanzen. Erste Begehrlichkeiten von Investoren, die bei gesünderen Banken bereits höhere Dividenden statt eines weiteren Kernkapitalaufbaus sehen möchten, dürften auf entsprechenden Widerstand der europäischen Finanzmarktaufsichten stoßen. Außerdem könnte der ungebrochene Anstieg fauler Kredite in der Eurozonenperipherie weitere Rückstellungen notwendig machen.

Parallel zur Stärkung des Kernkapitals ist die Profitabilität erheblich gesunken. Abflauende Zinserträge, Rückstellungen für gefährdete Kredite, Schadenersatzzahlungen und steigende Kapitalkosten drücken auf die Eigenkapitalrentabilität. Selbst im Idealfall einer Konjunkturerholung – einhergehend mit steigender Kreditnachfrage dürften wir Eigenkapitalrenditen jenseits der 15% (aufgrund schärferer Eigenmittelunterlegungsvorschiften in Europa) nicht mehr sehen. Gradmesser sind hier skandinavische Banken die im Schnitt Eigenkapitalrenditen zwischen 10% – 15% erzielen.

Betrachtet man das Kurs-Buchwert-Verhältnis hat sich die Bewertung europäischer Banken über die letzten zwei Jahre deutlich von den Tiefstständen wegbewegt. Das aktuelle Kurs-Buchwert-Verhältnis von knapp unter eins dürfte das gestiegene Vertrauen der Investoren in die Aktiva der Banken, aber gleichzeitig auch Skepsis hinsichtlich der Wachstumsaussichten, widerspiegeln.

Quelle: Aktien-Forum.at

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